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Lassen Sie sich nicht vom Mammographie-Screening abhalten!

[03.09.2009] Dänische Forscher haben kürzlich das Mammographie-Screening kritisiert, da es angeblich zu unnötigen Diagnosen und Behandlungen führen würde. Professor Dr. Christof Sohn von der Universitätsfrauenklinik Frankfurt widerspricht dieser Darstellung. Der Experte appelliert an die Frauen, sich durch Berichte in den Medien nicht vom Mammographie-Screening abhalten zu lassen.

In einem Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung erläuterte Professor Sohn, dass es tatsächlich so ist, dass jede Früherkennungsuntersuchung auch dazu führt, dass einige Krebsfälle erkannt und behandelt werden, die ohne Früherkennungsuntersuchung nie aufgefallen wären. Bei diesen Fällen handelt es sich um Brustkrebserkrankungen, die langsam wachsen und erst nach vielen Jahren oder nie Probleme verursachen. Deshalb sei es möglich, dass Frauen mit derartigen Brustkrebserkrankungen an anderen Krankheiten sterben können, ehe der Brustkrebs fortschreitet.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch viele Brustkrebsfälle, bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass diese Tumoren ohne Früherkennung erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt werden. Ist der Tumor bei der Diagnose bereits weit fortgeschritten, ist es wahrscheinlich, dass die betroffenen Frauen an Brustkrebs versterben werden.

Bei jeder Früherkennungsmethode muss also abgewogen werden, ob der Nutzen der Vorsorge groß genug ist, um die die Nachteile auszugleichen.

Mehrfach bewiesen: Nutzen des Mammographie-Screening überwiegt Nachteile
Sohn berichtet in der Rhein-Neckar-Zeitung, dass die jetzt veröffentlichte Arbeit der dänischen Forscher nicht die erste ist, die sich mit diesem Thema beschäftigt hat. Vielmehr habe bereits 2005 bis 2006 die renommierte Fachzeitschrift "Breast Cancer Research and Treatment" eine Serie von Artikeln veröffentlicht, die sich mit der Überdiagnose bei der Brustkrebsfrüherkennung beschäftigten. Nach diesen Auswertungen betrug die Überdiagnose in qualitätsgesicherten Programmen lediglich 5 bis 10 Prozent. Alle Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass der Nutzen so groß ist, dass die Teilnahme am Brustkrebsfrüherkennungsprogramm mit Mammographie-Screening uneingeschränkt empfohlen werden kann.

Kritik an der dänischen Untersuchung
Sohn stellt dar, dass die dänische Studie der Forscher Jørgensen und Gøtzsche keine gute Datenqualität aufweist. Denn es wurden Daten ausgewertet, die für andere Zwecke veröffentlicht wurden. Somit hätten die Forscher keine Originaldaten gehabt und mussten indirekte Schlüsse ziehen. Außerdem, so Sohn, hat Götzsche bereits 2000 schon einmal zur Verunsicherung beigetragen, indem er in Zweifel zog, dass das Mammographie-Screening die Brustkrebssterblichkeit senkt. Daraufhin ließ die Weltgesundheitsorganisation die Studien überprüfen. Das 2002 veröffentlichte Ergebnis: Die Teilnahme am Mammographie-Screening hat die Brustkrebssterblichkeit um 35 Prozent gesenkt. Dies bedeutet für Deutschland, dass jede 200. Teilnehmerin vor dem Brustkrebstod bewahrt wird. Sohn appelliert deshalb an alle Frauen, sich durch die neue dänische Studie nicht davon abhalten zu lassen, am qualitätsgesicherten Mammographie-Screening teilzunehmen.

Weitere Auskünfte zum Mammographie-Screening
Bezüglich Brustkrebsvorbeugung und Mammographie-Screening bietet das Deutsche Krebsforschungszentrum eine telefonische Beratung an. Unter der Telefonnummer 06221 - 42 4142 können sich Interessierte täglich von 08.00 bis 20.00 informieren lassen.

Quellen:
Interview mit Professor Sohn in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 13.07.2009. www.rnz.de
Jørgensen KJ, Gøtzsche PC. Overdiagnosis in publicly organised mammography screening programmes: systematic review of incidence trends. BMJ 2009; 339:b2587



 

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