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Wenn Schwangere an Krebs erkranken

[07.05.2009] In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 500 Schwangere an Krebs. Für die Patientinnen und auch für die behandelnden Ärzte ist dies keine einfache Situation. In einer europaweiten Studie werden derzeit Daten zur Behandlung von Frauen gesammelt, die während einer Schwangerschaft an Brustkrebs erkranken.

Krebserkrankungen während der Schwangerschaft werden häufiger, weil immer mehr Frauen im höheren Alter Kinder bekommen, erläuterte Dr. Henning Popp, Mediziner am Klinikum Großhadern in München in einer Fachzeitschrift: Jede fünfte Schwangere ist heute über 35 und damit in einem Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen an Brust, Eierstock, Gebärmutterhals, Schilddrüse oder Darm steigt. Auch ein schwarzer Hautkrebs, Lymphdrüsenkrebs und - allerdings sehr selten – Blutkrebs sind möglich.


Knoten in der Brust von Schwangeren müssen abgeklärt werden

Leider wird ein Brustkrebs bei schwangeren Frauen laut Popp manchmal erst spät erkannt, da der Knoten in der Brust für eine normale Schwangerschaftsveränderung gehalten wird. Nach Ansicht des Mediziners sollte jeder auffällige Tastbefund innerhalb von zwei bis vier Wochen durch Entnahme einer Gewebeprobe überprüft werden. Im Auge behalten müssen Ärzte auch Veränderungen an den Eierstöcken, die in der Frühphase der Schwangerschaft nicht ungewöhnlich sind, hinter denen sich aber eine Krebserkrankung verbergen kann. Popp rät deshalb zu regelmäßigen Ultraschallkontrollen. Dies gelte auch für Knoten in der Schilddrüse, die vor allem bei Zweit- oder weiteren Schwangerschaften auftreten.

Schon bei der Diagnose müssen Ärzte Rücksicht auf das Ungeborene nehmen. Eine Computertomografie sollte wegen der hohen Strahlendosis möglichst vermieden werden. Die Kernspintomografie kommt zwar ohne Röntgenstrahlung aus. Bestimmte Kontrastmittel – sie verbessern normalerweise die Darstellung von Krebsgeschwulsten – dürfen allerdings bei Schwangeren nicht angewendet werden, da sie über den Mutterkuchen, der Plazenta, in den Blutkreislauf des Ungeborenen übertreten. Deshalb muss bei der Abklärung stets geprüft werden, ob der Vorteil die Risiken überwiegt.

Schwangere mit Krebs sollten von Spezialisten betreut werden
Bestätigt sich der Krebsverdacht, sollten sich Schwangere unbedingt in einem Krebszentrum behandeln lassen. Denn bei allen Maßnahmen müssen sorgfältig die Vor- und Nachteile für die Mutter und das ungeborene Kind abgewogen werden. Wenn möglich verschieben die Ärzte die Krebstherapie auf die Zeit nach der Geburt. Auch eine frühzeitige Entbindung per Kaiserschnitt wird erwogen. Die Entscheidungen können medizinisch schwierig sein und die Schwangere belasten. Auch deshalb empfiehlt sich die Betreuung in einem spezialisierten Zentrum, in dem häufig auch Psychologen zur Verfügung stehen, um den krebskranken Schwangeren in schwierigen Situationen zur Seite zu stehen.

Datensammlung zum Verlauf von Schwangerschaften bei Brustkrebs-Patientinnen

In einer europaweiten Studie werden Daten zur Behandlung von Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und dem Verlauf ihrer Schwangerschaft gesammelt. An der Datenerhebung beteiligt sich in Deutschland die Frauenklinik der Universität in Frankfurt, Fr. Dr. Loibl zusammen mit der deutschen Brustkrebs-Forschergruppe German Breast Group (GBG). Die Forscher interessiert dabei besonders, welchen Gesundheitszustand die Kinder der krebskranken Mütter vier Wochen nach der Geburt aufweisen, sowie das Stadium der Brustkrebserkrankung, welche Behandlung die Mutter erhalten hat und wie gesund Mutter und Kind fünf Jahre nach der Therapie sind.

Quellen:
Popp H et al. Hämatologische Neoplasien und solide Tumoren in der Schwangerschaft. Teil 1: Diagnostik und grundsätzliche Therapieoptionen. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (7): S. 311-315
Popp H et al. Hämatologische Neoplasien und solide Tumoren in der Schwangerschaft. Teil 2: Spezielle Therapie. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (8): S. 361-364
www.germanbreastgroup.de/pregnancy



 

 


 

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