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Verzicht auf Hormonpillen senkt das Brustkrebsrisiko

[18.04.2009] Seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Einnahme von Hormonen in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko erhöht. Nun bestätigen kalifornische Mediziner diesen Fund abermals. Zugleich können sie aber beruhigen: Wenn Frauen aufhören, die Pillen zu nehmen, ist das Brustkrebsrisiko bereits nach einem Jahr wieder auf Normalniveau.

2002 sorgte eine große Studie aus den USA für Schlagzeilen sorgte. Denn die Daten der sogenannten "Women's Health Initiative (WHI)"-Studie belegten, dass Frauen, die in den Wechseljahren Hormontabletten mit Östrogen plus Progesteron einnehmen, häufiger an Brustkrebs erkranken als Frauen, die keine Hormonpräparate einnahmen. Mehr als 16.000 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren hatten an der WHI-Studie teilgenommen. Nach fünf Jahren wurde die Untersuchung vorzeitig beendet, da sowohl das Brustkrebs- als auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko bei den Frauen, die Hormone einnahmen, erheblich erhöht war.

Nachdem die WHI-Ergebnisse im Jahr 2002 bekannt wurden, war die Verschreibung der Hormonpräparate weltweit drastisch zurückgegangen. Laut Berichten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK schluckten hierzulande 1999 noch fast drei Millionen Frauen die Hormonpillen, 2004 verschrieben die Ärzte nur noch halb so viele Präparate. Schon vom Jahr 2003 an gingen die Brustkrebsraten in den USA und auch in Deutschland deutlich zurück. Viele Experten sahen das als einen Beweis an, dass der Zusammenhang zwischen Hormonpräparaten und Brustkrebsrisiko wirklich besteht. Andere argumentierten, dass der Rückgang auf andere Faktoren zurückzuführen sei. Beispielsweise darauf, dass Frauen, die die Hormontherapie abbrachen, anschließend seltener ihre Brust röntgen ließen.

Einnahme von Hormonkombination verdoppelt jedes Jahr das Brustkrebsrisiko

Die kalifornischen Wissenschaftler werteten nun erneut die Daten von 56.500 Frauen aus, von denen 15.000 an der WHI-Studie und die anderen an einer WHI-Beobachtungsstudie teilgenommen hatten. Die neuen Ergebnisse beweisen erneut, dass die Kombination von Östrogen und Progesteron – wie sie die meisten gängigen Medikamente zum Hormonersatz aufweisen – das Brustkrebsrisiko erhöht. Bei den Frauen, die nach fünf Jahren weiterhin die Hormone nehmen, verdoppelte sich das Brustkrebsrisiko jedes Jahr. Die Brustkrebsrisiko-Erhöhung durch die Einnahme der Hormonpräparate ist also noch wesentlich höher als bislang erwartet. Allerdings gibt es auch eine gute Nachricht: Wenn die Hormonpräparate abgesetzt werden, sinkt das Brustkrebsrisiko relativ rasch und erreicht bereits nach einem Jahr wieder ein normales Niveau.

Die kalifornischen Wissenschaftler, die ihre Erkenntnis nun in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten, sehen in ihren Ergebnisse einen Beweis dafür, dass der Rückgang der Brustkrebserkrankungen tatsächlich durch die geringere Verschreibung von Hormonpräparaten zurückzuführen ist.

Empfehlung: Hormonpräparate nur bei starken Wechseljahresbeschwerden

Seit Bekanntwerden der ersten WHI-Ergebnisse empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Einnahme von Hormontabletten nur noch bei starken Wechseljahresbeschwerden, die sich nicht anders behandeln lassen. Dabei sollte Betroffene mit einer niedrigen Östrogendosis beginnen und langsam bis zum gewünschten Effekt steigern. Alle sechs Monate sollte versucht werden, die Dosis zu reduzieren oder die Therapie zu beenden. Die Behandlung sollte nicht länger als ein bis zwei Jahre dauern.

Quellen:
Chlebowski RT et al. Breast Cancer after Use of Estrogen plus Progestin in Postmenopausal Women; New England Journal of Medicine 2009; Volume 360:573-587
Ingrid Müller “Brustkrebsrisiko – gesunder Hormonstopp” vom 05.02.2009 www.netdoktor.de



 

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