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Umstrittene Präimplantationsdiagnostik – dürfen Eltern ein Baby ohne Brustkrebs-Gen auswählen?

[13.03.2009] Für viele Schlagzeilen sorgte die Nachricht, dass in England erstmals ein Mädchen zur Welt gekommen ist, bei dem durch Präimplantationsdiagnostik (PID) das Vorhandensein eines bestimmten Brustkrebs-Gens ausgeschlossen worden war. Diese Vorgehen ist sehr umstritten. In Deutschland ist die PID verboten.

Der Vater des in England geborenen Babys wusste, dass in seiner Familie eine Genveränderung des sogenannten Brustkrebs-Gens BRCA1 vererbt wird. 70 bis 80 Prozent der Frauen mit dieser Genvariante müssen damit rechnen, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Allerdings liegt der Anteil der Patientinnen, die an erblich bedingtem Brustkrebs erkranken, lediglich bei etwa fünf bis zehn Prozent. Die meisten Frauen erkranken also an Brustkrebs, ohne dass sie sogenannte Brustkrebsgene in sich tragen. Deshalb kann auch das jetzt geborene Baby später an Brustkrebs erkranken. Allerdings ist das Risiko dafür wesentlich geringer, als wenn es das Brustkrebs-Gen BRCA1 in sich tragen würde.

PID in Großbritannien möglich
Bei der PID werden Embryonen, die im Reagenzglas erzeugt wurden, vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf bestimmte Erbkrankheiten hin untersucht. In Großbritannien wird die PID schon länger durchgeführt, bisher jedoch nur bei Genen, die sicher eine Krankheit übertragen, wenn sie weitervererbt werden. Dazu gehört zum Beispiel das Gen, das Mukoviszidose verursacht. Im Jahr 2006 wurde das Gesetz gelockert. Die Untersuchung darf seitdem - mit Erlaubnis der Behörde für Embryonenschutz - auch bei Risiko-Genen durchgeführt werden, die nicht in jedem Fall zu einer Krankheit führen. Dazu gehört auch das Brustkrebs-Gen. Die Kosten einer PID liegen bei circa 2.000 Euro. Man schätzt übrigens, dass in Deutschland jährlich ungefähr 150 Paare im Ausland eine PID in Anspruch nehmen würden.

Denn in Deutschland ist die PID aufgrund ethischer Bedenken verboten. Die Gegner der PID befürchten, dass diese Methode der erste Schritt hin zur Auswahl von Embryonen sein könnte: Wenn es erst einmal möglich ist, einen Embryo aufgrund eines genetischen Defekts für die Übertragung in den Mutterleib auszuschließen, vielleicht würden sich dann eines Tages Eltern ihre Kinder im Extremfall nach Augenfarbe, Körpergröße oder Intelligenz aussuchen?

Befürworter der PID werfen den Gegnern Realitätsferne vor
Befürworter der PID argumentieren damit, dass in Deutschland schon längst vielfach über ungeborenes Leben entschieden werde, aber erst im Verlauf der Schwangerschaft. Denn es ist auch hier in Deutschland erlaubt, ein Baby bis kurz vor der Geburt abtreiben zu lassen, wenn mithilfe der Pränataldiagnostik (Fruchtwasseruntersuchung) eine schwere Behinderung oder ein genetischer Defekt festgestellt werden, die die Mutter körperlich oder seelisch schwer belasten würden. Wäre es nicht sinnvoller, bereits den Embryo auf mögliche genetische Defekte zu untersuchen, um so der Frau später unter Umständen die furchtbare Entscheidung über eine Abtreibung zu ersparen?

Deutsches Embryonenschutzgesetz macht Präimplantationsdiagnostik unmöglich
Sollte die PID hier in Deutschland erlaubt werden, müsste zuvor das deutsche Embryonenschutzgesetz geändert werden. Denn es schreibt vor, dass der Arzt nur so viele Eizellen pro Übertragungs-Zyklus befruchten darf, wie der Frau eingepflanzt werden sollen. Und weil in Deutschland maximal drei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt werden dürfen, ist es den Ärzten auch nicht erlaubt, mehr als drei Embryonen zu erzeugen. Um eine PID durchzuführen, bräuchten sie jedoch acht oder neun Embryonen.

Quelle:
www.eltern.de


 

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