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Wie Bewegung Brustkrebs vorbeugt

[23.02.2009] Das Brustkrebsrisiko von Frauen, die nach den Wechseljahren regelmäßig körperlich aktiv sind, ist um etwa ein Drittel niedriger als bei Frauen mit wenig Bewegung. Dies sind weitere Ergebnisse der MARIE-Studie, einer deutschen Untersuchung zu den Risikofaktoren von Brustkrebs.

Im Rahmen der MARIE-Studie wurden 3.464 Brustkrebs-Patientinnen und 6.657 gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren auf Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Brustkrebsrisiko befragt. Dazu wurden persönliche Interviews nach einem standardisierten Fragebogen mit speziell geschulten Interviewerinnen durchgeführt. Ein wichtiges Ergebnis der MARIE-Studie wurde bereits im letzten Jahr veröffentlicht: Demnach erhöht eine mehrjährige Hormonersatztherapie in und nach den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko. Nach dem Absetzen der künstlichen Hormone sinkt das Risiko relativ rasch wieder auf das Normalniveau.


Aktuelle Auswertung: Beeinflusst regelmäßige Bewegung das Brustkrebsrisiko?
Bei den nun neuen Daten geht es um den Zusammenhang zwischen regelmäßiger körperlicher Bewegung und Brustkrebsrisiko. Andere Studien deuteten bereits darauf hin, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Brustkrebsrisiko von Frauen senkt. Allerdings war bislang wenig erforscht, wie viel Sport die Frauen in welcher Lebensphase treiben müssen, um von dem Schutzeffekt zu profitieren und welche Arten von Brusttumoren durch die körperliche Aktivität beeinflusst werden. Und Antworten auf diese Frage zu erhalten, wurden die Teilnehmerinnen der MARIE-Studie nach ihren körperlichen Aktivitäten während zweier Lebensphasen befragt: vom 30. bis zum 49. Lebensjahr sowie vom 50. Lebensjahr.

Der Vergleich zwischen den Brustkrebs-Patientinnen und den gesunden Frauen zeigt, dass die nicht erkrankten Frauen körperlich aktiver gewesen waren als die Patientinnen. Die Wissenschaftler errechneten daraufhin die relativen Brustkrebsrisiken, in denen auch der Einfluss anderer Risikofaktoren berücksichtigt wurde. Dies ergab, dass das Risiko, nach den Wechseljahren an Brustkrebs zu erkranken, für die körperlich aktivsten MARIE-Teilnehmerinnen um rund ein Drittel niedriger war als für Frauen, die sich insgesamt wenig körperlich betätigten.

Regelmäßiges Ausdauertraining senkt Brustkrebsrisiko
Für die Risikoreduktion musste sich niemand im Fitnessstudio schinden: Die Frauen der körperlich aktivsten Gruppe gingen zum Beispiel pro Tag zwei Stunden zu Fuß und fuhren eine Stunde Rad, während die inaktivsten Studienteilnehmerinnen nur etwa 30 Minuten täglich zu Fuß unterwegs waren. Die Epidemiologinnen erkannten darüber hinaus, dass vor allem die körperliche Betätigung nach den Wechseljahren dazu beiträgt, das Brustkrebsrisiko zu senken.

Bei der genauen Untersuchung der Art der Brustkrebsfälle stellte sich heraus, dass bei den körperlich aktiven Frauen vor allem solche Tumoren seltener auftreten, die Rezeptoren für die beiden weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron ausbilden. Solche "Hormonrezeptor-positiven" Brustkrebserkrankungen machten 62,5 Prozent aller Brustkrebsfälle unter den MARIE-Teilnehmerinnen aus. Andere Tumormarker, wie die Ausbildung des HER2-Rezeptors oder der Grad der Differenzierung der Krebszellen, standen in keinem Zusammenhang mit der körperlichen Aktivität.

Der Effekt der körperlichen Aktivität war unabhängig von Gewichtszunahme, Gesamtenergiezufuhr oder vom Gewicht (Body Mass Index). Die Forscher vermuten daher, dass körperliche Aktivität das Krebsrisiko über hormonelle Mechanismen verringert, und nicht, wie oft vermutet, lediglich durch eine Reduktion des Körperfetts oder andere Veränderungen der Körperkonstitution.

Rat an Frauen: Bleiben oder werden Sie körperlich aktiv!
"Es muss ja gar nicht immer Sport sein", sagt Privatdozentin Dr. Karen Steindorf aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, die leitende Wissenschaftlerin dieser Analysen, "in unseren Berechnungen haben wir auch Aktivitäten wie Gartenarbeit, Radeln oder den Fußweg zum Einkaufen berücksichtigt. Unser Rat an alle Frauen ist daher", fasst die Wissenschaftlerin zusammen: "Bleiben oder werden Sie körperlich aktiv - auch in der zweiten Lebenshälfte. Sie senken nicht nur Ihr Brustkrebsrisiko, sondern auch Knochen, Herz und Gehirn profitieren nachweislich davon."

Quellen:
Pressemitteilung „Gesenktes Brustkrebsrisiko: Körperliche Aktivität nach den Wechseljahren zahlt sich aus“ des Deutsches Krebsforschungszentrum vom 14.01.2009
Schmidt ME et al. Physical Activity and Postmenopausal Breast Cancer: Effect Modification by Breast Cancer Subtypes and Effective Periods in Life. Cancer Epidemiology Biomarkers and Prevention 2008, DOI: 10.1158/1055-9965.EPI-08-0479
Flesch-Janys D et al. Risk of Different Histological Types of Postmenopausal Breast Cancer by Type and Regimen of Menopausal Hormone Therapy. International Journal of Cancer 2008, DOI 10.1002/ijc.23655


 

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