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Medikamentöse Krebsprävention in den Startlöchern

[05.01.2009] Brustkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen. Weltweit erkranken immer mehr Frauen daran. Der britische Brustkrebs-Experte Professor Jack Cuzick ist der Ansicht, dass eine medikamentöse Krebs-Vorbeugung bei Risikopatienten zur Routine werden und dafür sorgen könnte, dass deutlich weniger Frauen an Brustkrebs erkranken. Mögliche Medikamente, die vorsorglich eingesetzt werden könnten, sind die sogenannten Aromatasehemmer.

Forscher auf der ganzen Welt sind auf der Suche nach neuen Therapien und Möglichkeiten, die das Brustkrebsrisiko effektiv senken könnten. Vorbeugend wirken ein gesunder Lebensstil, aber auch Medikamente. So wurde bereits in Studien nachgewiesen, dass die antihormonellen Wirkstoffe wie Tamoxifen und Raloxifen das relative Risiko einer hormonsensitiven Brustkrebserkrankung um 50 Prozent reduzieren. Modernere Wirkstoffe, die Aromatasehemmer, könnten das Risiko noch stärker verringern. „Denn aufgrund der aktuellen Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass die relative Risikoreduktion unter einem Aromatasehemmer bei 75 Prozent liegen könnte,“ schreibt Cuzick im Fachjournal „Expert Review Anticancer Therapy“. Vorteil sei weiterhin, dass Aromatasehemmer im Vergleich zu Tamoxifen und Raloxifen generell besser vertragen und vor allem schwerwiegende Ereignisse wie Lungenembolien, Schlaganfälle und Gebärmutterschleimhaut-Krebs seltener auftreten würden.

Medikamentöse Brustkrebsvorbeugung muss erst etabliert werden
Experten erwarten mit Spannung die Ergebnisse des IBIS-II-Programms, in dem zum ersten Mal der vorbeugende Effekt des Aromatasehemmers Anastrozol bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko untersucht wird. Die ersten Ergebnisse des Programms werden in fünf Jahren erwartet. Neben der Wirksamkeit wird dabei auch ein besonderes Augenmerk auf die Nebenwirkungen gerichtet. „Tritt die erwartete gute Risikoverringerung ein, wird die Akzeptanz einer medikamentösen Vorbeugung vor allem davon abhängen, wie Anastrozol vertragen wird,“ vermutet Cuzick. Es werde davon ausgegangen, dass bei zirka 5 Prozent der behandelten Frauen moderate bis starke Gelenkbeschwerden auftreten könnten. Diese müssten gut zu managen sein, ansonsten könnten die davon betroffenen Frauen den Aromatasehemmer nicht vorsorglich einnehmen, um sich vor Brustkrebs zu schützen.
„Generell müssen wir uns bei Krebs erst noch an eine medikamentöse Vorbeugung gewöhnen, wie sie schon längst bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie beispielsweise der Schlaganfall-Vorbeugung mit Medikamenten üblich ist,“ schreibt Cuzick. Bei diesem Prozess werde die Brustkrebs-Vorbeugung eine wegweisende Rolle einnehmen. „Die Identifikation von Frauen mit einem hohen Brustkrebs-Risiko und Biomarkern, mit denen sich ein positiver Effekt der medikamentösen Vorbeugung hervorsagen lässt, müssen Hand in Hand gehen mit der Entwicklung von wirksamen und gut verträglichen vorbeugenden Behandlungen – dann können wir erreichen, dass weniger Frauen an Brustkrebs erkranken,“ so Cuzick.

Laufendes IBIS-II-Programm untersucht vorbeugenden Effekt eines Aromatasehemmers
Das IBIS-II-Programm (International Breast cancer Intervention Study-II) untersucht den vorbeugenden Effekt eines Aromatasehemmers bei Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Brustkrebsrisiko bzw. einer Brustkrebsvorstufe ( DCIS). Weltweit können insgesamt 10.000 Frauen am IBIS-II-Programm teilnehmen. Auch Deutschland beteiligt sich an dem Studienprogramm. Derzeit nehmen 533 Frauen hierzulande am Programm teil. Maximal können 1000 Frauen in das Programm aufgenommen werden. Interessierte erfahren Näheres zu den Ein- und Ausschlusskriterien auf dieser Internetseite. Unter dem Menüpunkt „IBIS-II-Programm“ kann eine Landkarte mit den rund 90 Studienzentren eingesehen werden, die sich hierzulande am Programm beteiligen.
Außerdem können Frauen online unter „Brustkrebs-Risikotest“ prüfen, ob ihr Brustkrebsrisiko erhöht ist. Möglich ist auch ein Anruf des kostenlosen Info-Telefons unter der Nummer 0800 4247 9934. Ein Sprachprogramm fragt die Anruferin nach den wesentlichen Teilnahmekriterien. Per Tastendruck wird mit „ja“ oder „nein“ geantwortet. Werden die Voraussetzungen erfüllt, nennt das Programm nach Eingabe der Postleitzahl ein IBIS-II-Prüfzentrum in der Nähe.

Quelle:
Jack Cuzick “IBIS II: a breast cancer prevention trial in postmenopausal women using the aromatase inhibitor anastrozole” Expert Review Anticancer Therapy 8(9), 1377-1385 (2008)


 

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